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am 5. August 2016

20.000 km unter Strom

- Manfred Wittmann berichtet über seine Erfahrungen nach 9 Monaten E-Auto und 20 000 km.

Seit jeher war ich fasziniert von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben. Es war jedoch ein weiter Weg von den ersten „Einzelanfertigungen“ bis zu den Automobilen, die in Aufwand und Vernunft in der Realität angekommen sind.
Seit 9 Monaten habe ich nun die Gelegenheit mit einem E-Auto bayrischer Bauart unterwegs zu sein und so kann ich nach 20.000 Kilometern ohne Verbrennungsmotor von meinen Erfahrungen berichten.

Eines gleich vorweg - die Faszination ist der Begeisterung gewichen! 

Der Elektromotor ist wie geschaffen dafür ein Fahrzeug anzutreiben. Schaltgetriebe und Kupplung sind nur technische Hilfsmittel um die Unzulänglichkeiten eines Kolbenmotors auszugleichen und können getrost entfallen. Wenn man das Fahrpedal (früher Gaspedal genannt) betätigt, bewegt sich das Auto ohne irgendeine Verzögerung in die gewählte Richtung. Dabei kann man so fein dosieren, dass man entweder exakt Millimeter für Millimeter in eine Parklücke schlüpft oder mit unerwarteter Beschleunigung eine Kreuzung „übersetzt“. Geht man vom Fahrpedal, wird die überschüssige Bewegungsenergie nicht an den Bremsen vernichtet, sondern wird wieder zurück in den Akku gespeichert. Man kann damit das Auto nur mit dem Fahrpedal bewegen, die Bremse wird meist nur beim Anhalten und in Ausnahmesituationen betätigt. In der Praxis bedeutet das Fahren mit einem E-Auto eine unkomplizierte, leise und elegante Art der Fortbewegung, die nur durch die eigenen Roll- und Windgeräusche sowie die Motorgeräusche der anderen Verkehrsteilnehmer gestört wird. Sogar dem „Stop and Go – Verkehr“ kann man in einem E-Auto etwas abgewinnen. 

Steigt man wieder zurück in eine Benzinkutsche (und die kann noch so „Premium“ sein) fühlt man sich irgendwie nicht mehr so richtig wohl. Es ist kompliziert zu starten, es ist laut, es stinkt und es braucht eine gefühlte Ewigkeit bis es sich in Bewegung setzt nachdem man das Gaspedal betätigt hat. 

Gibt es auch Schattenseiten? Natürlich! 

Ich war anfangs immer zu schnell dran. Dadurch, dass man keinen Motor hört, muss man ständig ein Auge auf dem Tachometer haben, um im Ortsgebiet keine Geschwindigkeitsrekorde zu brechen. Als Kind der Siebziger muss ich mich zusammenreißen, damit nicht jeder Ampelstart zu einem Beschleunigungsrennen ausartet. Erst ein Neujahrsvorsatz hat mich wieder auf den Pfad der Ökologie gebracht. 

Bei langsamer Geschwindigkeit wird das Fahrzeug von Fußgängern und Radfahrern nicht mehr gehört. Eine zusätzliche Portion Aufmerksamkeit auf die anderen Verkehrsteilnehmer kann nicht schaden. 

Der Anschaffungspreis ist happig. Bei ausreichender Kilometerleistung wird das aber ohne Probleme durch die günstige Energie und die geringeren Wartungskosten ausgeglichen. Außerdem gibt’s durchaus interessante Geschäftsmodelle von manchen Herstellern (Akku mieten statt kaufen), die den Kapitalbedarf für den Start in die Zukunft etwas dämpfen. Sie vermissen die Reichweite in meiner Liste? Der letzte Nagel an den sich die Benzinkutschen, meiner Meinung nach, noch klammern können. Bleibt man bei einer Tageskilometerleistung um die 100 km gibt’s nicht einmal im tiefsten Winter ein Problem, solange man den Boliden über Nacht an die Steckdose bekommt. Die längste Strecke die ich am Stück im Winter zurückgelegt habe waren 117 km (Herstellerangabe 190 km bei optimalen Bedingungen) dann waren noch ein paar Prozent im Akku. 

Für weitere Strecken gibt’s ein Netz aus Schnellladestationen an denen man den Akku innerhalb einer Kaffeepausenlänge auf 80 % Ladung bekommt (eine solche Ladung ist kostenpflichtig und die Werte sollten unbedingt vor dem Kauf mit dem Händler abgeklärt werden, die Daten variieren zwischen den Modellen und den Ausstattungen). In meinem Fall benötige ich so eine Schnellladung ein bis zweimal pro Monat, was für mich kein Problem darstellt. Zugegeben, Außendienstmitarbeiter mit einer Kilometerleistung von 300 km pro Tag würden damit nicht glücklich werden. 

Last but not least die Ökologie. Derzeit liege ich bei einem Durchschnittsverbrauch um die 15 kWh auf 100 Kilometer (Tendenz fallend da ich noch 3 Sommermonate vor mir habe, Herstellerangabe: 12,9 kWh/100 km). Das entspricht etwa 1 ¾ Liter Diesel bzw. Benzin, jedoch bei 0,0 kg CO2 Ausstoß! Der Entfall von Schmierstoffen, die gewechselt werden müssen, rundet den Gewinn für Mutter Natur dann noch zusätzlich ab. 

Fazit: Nach 9 Monaten durch klirrende Kälte und schwüle Sommerhitze bin ich ein begeisterter E-Auto Benutzer und kann jedem nur empfehlen, sich einmal zumindest eine kleine Probefahrt in die Zukunft zu gönnen. Ich bin sogar davon überzeugt, dass der Elektromotor in absehbarer Zeit die Verbrennungsmotoren in eine Nische drängen wird. Ich freue mich schon jetzt auf anregende Diskussionen zu dieser Thematik 

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